Bereich: Umwelt & Artenschutz
Funddatum: 30.06.2026
Ort: Feldweg zur Sandgrube Neuposa–Zettweil
Fund: Tote Zauneidechse am Wegrand – streng geschützte Art
Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist eine streng geschützte Art gemäß FFH‑Richtlinie (Anhang IV) und § 44 Bundesnaturschutzgesetz. In Thüringen steht sie auf der Roten Liste („gefährdet“). Männchen zeigen zur Paarungszeit eine auffallend grüne bis smaragdgrüne Färbung, die leicht mit der Smaragdeidechse verwechselt werden kann.
Im Zuge der sommerlichen Erntearbeiten wurde am Feldweg zur Sandgrube eine tote Zauneidechse gefunden. Der Fund lag inmitten von landwirtschaftlich bearbeitetem Stroh, das nach mehrtägiger Feldbearbeitung im Randbereich verteilt war. Solche Strohzonen werden von Eidechsen intensiv als Deckung und Sonnenplätze genutzt, wodurch sie im unmittelbaren Wirkungskreis schwerer Maschinen besonders gefährdet sind.
Neben einem vollständig regenerierten, älteren Schwanzverlust zeigt das Tier eine frische, mechanisch verursachte Verletzung an der linken Hinterpfote. Die Extremität ist deutlich angeschnitten bzw. abgetrennt. Dieses Verletzungsmuster entspricht typischen Schäden durch landwirtschaftliche Maschinen wie Mähwerke, Schwader, Kreiselheuer oder Ballenpressen.
Die Zauneidechse ist eine planungsrelevante Art. Ihr Nachweis im geplanten Erweiterungsgebiet bedeutet, dass Eingriffe wie der Abbau, Erweiterungen der Sandgrube, großflächige Erdarbeiten oder gravierende Veränderungen der Randvegetation zwingend im Rahmen einer artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) untersucht werden müssen. Im Rahmen von Bau- und Zulassungsverfahren gilt das Tötungs- und Schädigungsverbot des § 44 BNatSchG strikt, was die Planer zur Durchführung von Vermeidungs- oder Umsiedlungsmaßnahmen verpflichtet.
Die Region zwischen Neuposa, Zettweil und Nissma weist eine hohe ökologische Wertigkeit auf. Die dokumentierte Zauneidechse bestätigt das Vorhandensein strukturreicher, thermophiler Kleinhabitate, wie sie für wärmeliebende Reptilien charakteristisch sind.
Der Sandgrubenbereich bildet einen typischen Übergangsraum aus Rohboden, lockerem Vegetationsbewuchs, Gehölzsäumen und sonnenexponierten Offenflächen. Solche Habitatkomplexe bieten grundsätzlich günstige Bedingungen für verschiedene bodennahe und störungsempfindliche Arten. Weitere Arten können in diesen Strukturen vorkommen, wurden im Rahmen dieser Dokumentation jedoch nicht erhoben.